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Vom Sommerfest und dem festlichen Dankgottesdienst

Als wir am 13. Juli in Pommern ankamen, war das Land ausgedörrt und braun, doch ein paar Tage später begann der grosse Regen und hielt gut zwei Wochen an, immer mit dem Versprechen der Wetterfrösche, dass sich das Wetter BALD bessern werde. Am Tage des Sommerfestes gab es kräftige Regenguesse morgens um 5 Uhr, dann nochmals von 8-10 Uhr, doch dann hörte es plötzlich auf, die Sonne kam durch und es war wie jedes Jahr wieder herrliches Wetter. Natuerlich musste alles ein wenig improvisiert werden und es war keine Zeit mehr, die liebevoll vorbereitete Dekoration auf den Tischen und den Leinen anzubringen. Wir hatten mit 60 Gästen gerechnet, doch es kamen mehr als das Doppelte, was die ungebrochene Anziehungskraft des Sommerfestes in Zitzmin auf dem Hof der Familie Pollex beweist. Diesmal fuehrte Ingrid Saenger die Regie in der Kueche und wurde dadurch den Teilnehmern schon ein bisschen vertrauter.  

Die Morgenandacht hielt uns Pastor Marcin Makula, der nach drei Jahren in Stolp nach Schlesien gegangen ist und eigens zu diesem Wochenende  600 km angereist war. Er sprach ueber den strafenden Gott, der zugleich ein barmherziger Gott ist, der uns immer wieder einen neün Anfang gewährt.  

Sein akzentfrei deutsch sprechender Nachfolger Pastor Wojciech Froehlich hatte mit einem Dutzend evangelischer Kinder aus seiner Gemeinde im evangelischen Sommerlager in Varzin viele Lieder eingeübt, von denen das bewegte „Halleluhjah“ besonders beeindruckte, bei dem die Mädchen und die Jungen abwechselnd sangen und aufstanden. Als die Jugendlichen der Johanniter-Unfallhilfe aus Stolp, die bei deutschen Wettbewerben schon viele Preise gewonnen hatten, uns eine Rettungsaktion demonstriereten, waren die Kinder noch die eifrigsten Beoabachter. Für die JUH war es auch ein Stück Nachwuchswerbung. Dann durften sie endlich mit ihren evangelischen Freunden auf dem grossen Hof herumspielen, während sich ihre Mütter auch einmal ohne Hast über gemeinsame Freuden und Sorgen austauschen konnten.  

Auch in Polen gibt es inzwischen eine Hospiz-Bewegung. Deren Kösliner Präsidentin erzählte uns von ihrer ambulanten und hoffentlich bald verstärkten stationären Arbeit. Bislang haben sie nur Platz für 8 Patienten. Leider wird diese N-G-O nicht wie andere Nicht-Regierungs-Aktivitäten von der EU untersttützt. Sie kümmern sich besonders um Krebspatienten im letzten Stadium -  niemand von uns wünscht sich solch ein Ende, doch beim Alter der Telnehmer kann es jeden eher früher als später treffen.  

Längst hatten die Stolper Frauen das Buffet aufgebaut, bei dem man sich Alt und Jung endlich stärken konnten. Fast alle hatten etwas mitgebracht und die Kösliner Helferin Irenka aus der Diakoniestation hatte reichlich Haferflockenmakronen und Muffins nach bewährtem Rezept gebacken. Sie hat sich auch zur perfekten  Schürzenschneiderin entwickelt. Originalton einer alten Frau „Erst wenn ich meine Schürze umhabe, fühle ich mich richtig zu Hause!“  

Natürlich wurde auch viel gesungen: die Sedina-Singegruppe aus Stettin trug Heimatgedichte vor und lud beim Singen zum Mitmachen ein. Das Quintett der Pollnower Schifferklavier- und Singegruppe hat inzwischen auch etliche deutsche Lieder in seinem Repertoire und wurde ebenfalls mit reichlich Beifall bedacht. Wir hatten wieder ein Liederheft zum Mitsingen vorbereitet, Pastor Haerter aus Zinnowitz machte den Dirigenten und der junge polnische Organist begleitete uns gekonnt auf der elektronischen Orgel, obwohl er die Volkslieder bislang noch gar nicht gekannt hatte.  

Einige waren ein bisschen wehmütig, weil sich inzwischen herumgesprochen hatte,  dass ich am 2. September nicht mehr für den Vorsitz des Pommernkonvents kandidieren werde und verwöhnten mich mit lieben Worten, Blumensträussen und einem Buch über Martin Luther, in das Bilder von früheren Festen eingeklebt waren und in das sich dann alle Teilnehmer eintrugen. Ein liebes Andenken!  

Zum Abschluss bewegte sich wiederum eine Prozession zum Dorfriedhof, wo Pastor Haerter die Abendandacht über die vergebliche Hoffnung auf Frieden hielt, weil wir durch unsere Politiker unser Haus mehr auf Sand als auf Fels gebaut haben. Wir werden den gekürzten Text der Andacht in der Heimatkirche September publizieren. Guter Stimmung trennte man sich und alle freün sich schon auf das nächste Sommerfest am 22. Juli 2006. Wie immer werden die Einzelheiten durch den Rundbrief des Pommernkonvents und Berichte in der „Heimatkirche“ bekannt gegeben werden, spezielle Einladungen werden jedoch nicht erfolgen, weil alle Gäste aus nah und fern herzlich willkommen sind.   

 

Der 95% Abschluss der Renovierungsarbeiten in der Kreuzkirche zu Stolp

Wer Mitte des Monats beim Gottesdienst in Stolp gewesen ist, konnte sich nur schwerlich vorstellen, dass die Kirche am 31. Juli zum Empfang der Gäste bereit sein würde: überall lag noch Baumaterial, der Altarraum hatte einen rohen Holzfussboden, die Bretter für die Gesangbücher fehlten noch ganz oder waren noch nicht lackiert ….  Doch alles war bestens, bis hin zum frischen Blumenstrauss auf dem Altar  und einer meterlangen Fotoecke, die zeigte, wie sich die Kirche in den drei Jahren verändert hatte, aber auch die freiwilligen Helfer bei der Arbeit. Pastor Dallmann aus Greifswald hatte ein von ihm gebasteltes Votivschiff  für die Stolper Kreuzkirche mitgebracht, was gleich zu Beginn im Altarraum aufgestellt wurde. Pastor Dallmann erzählte von Votivschiffen in Pommern und von der übertragenen Bedeutung „Ein Schiff, das sich Gemeinde nennt“ .  

Die Gottesdienstblätter waren einmal auf Deutsch und einmal auf Polnisch ausgedruckt, so dass alle die bekannten Weisen aus ganzem Herzen mitsingen konnten. Doch leider war die Liturgie nur auf polnisch abgedruckt oder es hiess nur „Glaubensbekenntnis“. Längst nicht alle deutschen Teilnehmer der bis auf den letzten Platz besetzten Kirche sind „Liturgiefest“, zumal es sich um die Fassung von 1931 handelt, und selbst unsereins kam ohne eine gedruckte Vorlage immer wieder aus dem Konzept, wenn es ringsherum kräftig auf Polnisch erklang; das erfordert dann weitaus mehr Konzentration als das Ablesen eines Textes. Die Liturgie komplett auszudrucken, erfordert mehr Vorbereitungszeit für den Geistlichen, aber würde den Gottesdienst nicht verlängern.  

Die Predigt wurde geschickt in kurzen Passagen von Pastor Makula auf Polnisch und Pastor Froehlich auf Deutsch vorgetragen. Es ging dabei um den Israel-Sonntag, den konkreten und den symbolischen Tempel beziehungsweise die heutige  Kirche und die Gemeinde, auch um den Eifer, den Jesus bei der Tempelreinigung zeigte und den wir in unserem Leben beweisen sollten. Die Pastoren schlossen damit, dass es gar nichts nütze eine wunderschöne Kirche zu haben, wenn die Gemeinde es an Eifer für das Gemeindeleben fehlen lässt.  

Der Dank für die doch recht schnelle Renovierung wurde zu allererst Gott, dem Vater, ausgesprochen, dann aber auch seinen weltlichen Helfern wie dem Stolper Stadtpräsidenten und dem Amt für Denkmalsschutz und - last not least – dem Pommernkonvent, der fast mit dem ganzem Vorstand zu diesem festlichen Ereignis angereist war. Pastor Riedel  aus Penkun brachte sogar 50 Mitglieder aus seiner Gemeinde mit – die meisten seiner Gemeindeausflüge führen ihn in die hinterpommersche Diaspora. Er amtierte auch wie der benachbarte Pastor Staszczak aus Köslin beim Gottesdienst. Damit die Kösliner beim Gottesdienst dabei sein konnten, war er kurzfristig vom Vormittag auf 14.00 Uhr verlegt worden, was wir selber aber erst  in Pommern erfahren hatten. Die Gemeinde dankt für die Kollekte in Höhe von 130,- Euro und 380,- Zloty, wieder ein kleiner Zuschuss zu den abschliessenden Renovierungsarbeiten wie den Schutznetzen aussen an den Fenstern und dem Zugang zur Empore und zusätzlichen Lampen.  

Nach dem festlichen Abendmahlsgottesdienst hatte die Gemeinde in die Fischerstrasse zu Bigos und selbstgebackenem Kuchen eingeladen. Der Aufbruch dort verzögerte sich, weil gerade mal wieder ein so starker Regen hernieder ging, dass die Polizei die Unteführung in Stolp einseitig und in Schlawe ganseitig sperren musste. Zum Glück gibt es in Schlawe noch eine zweite Unterführung in Richtung Pollnow. Doch als wir wieder in Grossmöllen ankamen, begrüsste uns keine aufgewühlte Ostsee, sondern eine spiegelglatte.   

Wir wünschen dem neuen Pastor in Stolp Gottes Segen bei seiner Arbeit und freuen uns, dass er zugesagt hat, am 2. September zu unserem Seminar im Pommernzentrum zu kommen, so dass ihn noch mehr Pommern kennenlernen können.                                                                           

        

 Rita Scheller



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