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Unsere Landesbischöfin Frau Dr. Margot Käßmann meinte, es sei doch schon lange, lange her, daß Pastor Staszczak mit den ersten Plänen zu ihr nach Hannover gekommen sei. Doch der Beginn des Baus liegt noch viel weiter zurück. Kurz nach der Wende kam ein Gesetz in Polen heraus,daß die evangelische Kirche die Rückgabe ihres Eigentums beantragen könnte. Da riefen wir alle alten Kösliner auf, eidesstattliche Erklärungen über kirchlichen Besitz abzugeben. Unsere Bitte richtete sich besonders an Diakonissen, kirchliche Angestellte und Pastorentöchter. Viele der Zeugen sind inzwischen verstorben wie Anneliese Tuchtenhagen oder meine Großmutter. Mir fiel die Aufgabe zu, alle Unterlagen zu kopieren, das dauerte einen ganzen Nachmittag und sie füllen einen dicken Aktenordner. Das war etwa 1995/96.

Allerdings war der Vorgänger von Pastor Staszczak nicht zu scharf darauf, Pionierarbeit in Köslin zu leisten. Er wohnte in Stolp in einem schönen Pfarrhaus und betreute von dort aus die deutschsprachigen Evangelischen zwischen Stolp, Neustettin und Köslin und Umgebung, während sich sein Amtsbruder, ebenfalls mit Sitz in Stolp, um die polnischsprachigen Evangelischen kümmerte. Das änderte sich erst, als letzterer sich versetzen ließ, der Stolper Pastor nur noch für die damalige Wojewodschaft Stolp zuständig war und ein junger Pastor nach Köslin berufen wurde, der buchstäblich bei Null anfangen mußte, zunächst von einem möblierten Zimmer aus. Die polnischsprachige Gemeinde traf sich in der Kapelle der Baptisten und die deutschsprachige in der Methodistenkirche, die inzwischen zur Straßenerweiterung abgerissen wurde. Die Johanniter hatten keine Mittel mehr, wie in Stolp, Bad Polzin, Gr. Tychow und Cammin auch in Köslin eine Sozialstation zu errichten. Pastor Staszczak sagte einmal: „Der Erfolg hat viele Väter, der Mißerfolg ist ein Findelkind!“ So will ich von einigen der Väter berichten.
Damals amtierte noch Jan Szarek als Landsbischof in Warschau. Er setzte sein ganzes diplomatisches Geschick für den Gemeindeaufbau in Köslin ein, sprach nicht nur mit dem Stadtpräsidenten, sondern auch mit dem katholischen Bischof Jez, der schließlich äußerte: „Die Heilige Gertrud muß wieder heilig werden!“ So wurde als erstes die mittelalterliche Gertraudenkapelle 1999 an die evangelische Gemeinde zurückgegeben und 2000 feierlich wiedergeweiht. Die Stadt stiftete außerdem zwei Grundstücke in der Nachbarschaft und ließ´die dort stehenenden Häuser auf ihre Kosten abreißen, weil sie einen Teil der Grundstücke zur Straßenverbreiterung benötigte. Schon in dieser Zeit schrieb der Pastor zahlreiche Briefe an potentielle Gönner: Alle sagten ihre moralische Unterstützung zu und versprachen eine Spende. Wie klein die anfänglichen Spenden waren, sieht man daran, daß der Pommernkonvent jahrelang der größte Spender war. Dafür danken wir unseren Mitgliedern und Freunden! Bischof Szarek erinnerte bei Einweihung des Zentrums daran, daß er damals meiner Mutter versprochen habe, noch zu ihren Lebzeiten werde das evangelische Zentrum fertiggestellt sein. Er hat sein Versprechen gehalten!
Doch zunächst ging es nur langsam voran: Jedes Land darf bei den großen Diasporawerken Martin-Luther-Bund und Gustav-Adolf-Werk nur Anträge für EIN Projekt stellen. Da gab die evangelische Kirche augsburgischen Bekenntnisses zunächst zwei anderen Projekten den Vorrang: Das Altersheim im Teschener Land und die Aufstockung des Konsistoriums in Warschau. Im Sommer 2001 besuchte der frisch gewählte Landesbischof Janusz Jagucki die Kösliner Gemeinde, beglückwünschte sie zur Rückgabe der Kapelle und der Grundstücke. Er meinte, daß die Diakonie schon immer das Herzstück der Gemeinde gewesen sei und er sich freue, daß die Gemeinde bald eine eigene Diakoniestation haben werde. Im Herbst fand Pastor Staszczak ein passendes Gebäude in der Graudenzer Straße, daß von der „Rita von Gaudecker Stiftung“ mit einem Zuschuß vom Pommernkonvent gekauft und renoviert wurde. Außerdem hatte er eine Absolventin der kirchlichen Hochschule in Warschau gefunden, die zunächst für drei Monate zum Praktikum nach Salem-Köslin-Minden ging. Im Februar 2002 wurde die Station offiziell eröffnet und sie diente seitdem als Wohnung von Schwester Iza, als Ort für alle Gemeindeveranstaltungen, für Religionsunterricht und Hausaufgabenbetreuung. Jetzt hat das „Herz der Gemeinde“ einen größeren Körper bekommen und zog mit ins Gemeindezentrum in der Polziner Straße um.
Im Sommer 2002 wurde der Grundstein in Anwesenheit von vielen alten Köslinern und Konventsmitgliedern für das neuen Gemeindezentrum gelegt. Die ersten Mauern wurden rasch hochgezogen, aber plötzlich stockte der Bau aus Geldmangel, weil es in Polen nicht üblich ist, mit Hypotheken zu bauen.

Doch dann wurde OKR Reiner Rinne von der EKD zum Koordinator für die deutschen Initiativen bestimmt. In Verhandlungen mit dem Pastor und dem Konsistorium kam man zu folgenden Ergebnissen: Das Konsistorium gibt dem Bau in Köslin oberste Priorität, alle Gelder laufen über das Konsistorium, es wird ein Bauausschuß gegründet, in dem der Pastor Mitglied ist, den Vorsitz aber zwei Laien, nämlich Urszula Baranowska und R. Dlugosz, bilden. Die Anträge und die Abrechnungen sollten EU-Normen entsprechen. Es ging um eine sogenannte Drittel-Finanzierung: ein Drittel kam aus der eigenen Gemeinde, ein Drittel vom Konsistorium, das letzte Drittel als quasi Kredit aus Deutschland.
Der Martin-Luther-Bund, das Gustav-Adolf-Werk und die Landeskirche Hannovers standen je für ein Drittel des Kredits gerade, den sie im Laufe von acht Jahre an eine kirchliche Bank zurückzahlen wollten. Die Zinskosten sollte allerdings die Kösliner Gemeinde tragen. Die Kösliner Gemeinde konnte ein Grundstück, das ihr die Stadt - wie auch allen anderen kirchlichen Gemeinschaften - gestiftet hatte, günstig verkaufen. Das war natürlich eine Menge zusätzlicher Arbeit und Streß für den Pastor, was er willig auf sich nahm, denn er hatte ein großes Ziel vor Augen.
Bei den „deutschen Vätern“ des Projekts sollte man keinesfalls OLKR Rainer Kiefer von der Landeskirche Hannover als Nachfolger von Herrn Rinne als Koordinator und auch nicht Lars Torsten Nolte, zuständig für die Ostkirchen- und Aussiedlerarbeit in der Landeskirche Hannovers, vergessen. Beide hatte nicht nur viel Papierkram, sondern fuhren auch mehrmals nach Köslin, um sich von den Baufortschritten des Baus zu überzeugen. Last not least ist der Präsident Wilhelm Hüffmeier zu nennen, bis zu seiner Pensionierung Leiter der EKU in Berlin, inzwischen Leiter des Gustav-Adolf-Werks. Seine Mutter wurde in Köslin geboren und war bis zu ihrer Verlobung Diakonissenanwärterin in Salem-Köslin. Auch er sorgte mit Herz und Verstand für den Baufortschritt, nicht zuletzt durch Kollekten der Untergruppen des GAW. Sicherlich könnte die Liste durch viele polnische Namen ergänzt werden, angefangen bei den Bischöfen, aber auch die Mitglieder in den Ausschüssen und die ganz normalen Gemeindeglieder, die Geld und Zeit einsetzten, nicht zu vergessen die für Außenstehende unsichtbare Arbeit der Übersetzerin.
Es sieht so aus, als ob der Bau durch diese Mischfinanzierung bezahlt werden konnte. Das Erdgeschoß soll an eine Bank vermietet werden, aus den Mieteinnahmen sollen die Zinsen für den Kredit bezahlt werden. Was jetzt noch fehlt, ist ein großer Teil der Inneneinrichtung zum Beispiel für die Gästezimmer und die Küchen. Alles Geld, was der Pommernkonvent in den letzten Jahren gesammelt hat, stiftete er darum für die Großgeräte in einer Küche, während die Rita von Gaudecker Stiftung Geräte zur Aktivierung von Senioren und sportlichen Betätigung von Jugendlichen schenkte. So ist auch für das körperliche Wohl der Gäste bestens gesorgt. Der Pastor wird demnächst seine Mietwohnung aufgeben und ins Gemeindezentrum umziehen. Das spart die Gemeinde einmal Miete, doch für den Unterhalt des Hauses kommen eine Menge neuer Kosten auf sie zu. Wir wünschen ihr, daß es ihr gelingen wird, auch dies Problem zu lösen!