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Spätherbst 2002

Diesmal bitten wir um KASTANIEN! Tante Rita gelang es in unnachahmlicher Weise, die Kinder durch ihre Märchenstunden zu fesseln. Die Diakonieschwester in Köslin ist eher beim Basteln kreativ und macht mit den Kindern Fensterbilder und kleine Figuren aus Kastanien. Als die Leiterin der Stolper Johanniter-Station mich noch nicht kennengelernt hatte, wusste sie schon, dass ich diejenige bin, die immer wieder Kastanien an die alten Frauen verteilt hatte, weil es vor Arthritis schützt und zur Rehabilitation beiträgt, wenn man Kastanien in der Hand bewegt ... Kastanien kann man umsonst aufsammeln, doch eine Diakonieschwester braucht auch noch andere medizinische Hilfsmittel wie Salben für Altershaut oder Verbandsmaterial, die man kaufen muß ... auch unseren anderen Schützlingen ist heutzutage am ehesten mit Geld geholfen: Elsa Britzius bekam eine kleine Erhöhung, weil das letzte Kind einer allein erziehenden Mutter inzwischen mit der Schule fertig ist und diese Familie unsere Hilfe nicht mehr so nötig braucht wie Elsa, die inzwischen eine Zugehfrau benötigt, weil sie den Haushalt und den alten Ehemann ohne ihre Arme nicht mehr allein bewältigen kann.
Obwohl man überall Klagen hört, weil Zuschüsse gestrichen werden, konnten wir Dank Ihrer Hilfe in gewohnter Weise helfen, weil wir auch früher keine öffentlichen Zuschüsse erhalten haben. Das ist um so bemerkenswerter, weil die Zahl der Mitglieder im letzten Jahrzehnt stark zurückgegangen ist und die verbleibenden Mitglieder und Freunde alle im biblischen Alter sind, viele sogar über 80 Jahre alt. Ihnen allen danken wir für Ihre unermüdliche Treue und Hilfsbereitschaft!
Verständlich, dass selbst engagierte Damen jenseits der 80 nicht mehr für ein Vorstandsamt kandidieren wollten. Mit Dank verabschiedeten wir Frau Erika Schöning, Frau Ingeborg Borek und Frau Gabriele Jahn. Unser Vorstand ist jetzt so klein, wie es die Satzung erlaubt: Dr. Rita Scheller (Vorsitzende), Brigitte Schmidt (Stellvertr. Vorsitzende und Kassenführerin), Marie Luise v. Ivernois (Schriftführerin), Mechthild Scheller (Beisitzerin und stellv. Kassenführerin). Die Mitgliederversammlung beschloss, für die laufende Wahlperiode auf Kassenprüfer zu verzichten: Von den Mitgliedern war keiner dazu bereit,dies Amt zu übernehmen; professionelle Kassenprüfer kosten viel Geld; die Satzung schreibt es nicht vor und nach Aussage unseres Rechsanwaltes Freimann, Hannover, ist es dann nicht zwingend. 2005 muß erneut über eine Lösung abgestimmt werden. Ab Juni 2003 kann jedes interessierte Mitglied die Bilanzen für das Vorjahr anfordern, auch detaillierte Einsicht in der Geschäftstelle ist nach Anmeldung möglich. Auf den Vorstand kommt damit eine größere Belastung zu, da er nicht mehr durch Kassenprüfer entlastet werden kann. Das Finanzamt hat am 29.7.2002 erneut die „Gemeinnützigkeit“ nach Vorlage der Abrechnungen für die Kassenjahre 1999, 2000 und 2001 anerkannt. Da sie immer für fünf Jahre gilt, können wir diesmal noch die alten Überweisungen benutzen. Früher galt der einfache Überweisungsträger über DM 100,- als ausreichend für den Nachweis einer Spende beim Finanzamt, inzwischen wurde diese Summe auf 100,- € erhöht.
Auf der Mitgliederversammlung berichteten wir auch über die Rita von Gaudecker Stiftung und die von ihr unterstützte Diakoniestation in Köslin. Eine Berufsanfängerin in einer neuen Station hat es nicht leicht, deswegen braucht sie viel Beratung und Ermunterung, heute heißt das vornehm: „Supervision“ und „Compulsory Counselling“. Deswegen waren Vorstandsmitglieder der Stiftung dreimal für mindestens eine Woche in Köslin (Februar, Mai, Juli/August), begleiteten die Schwester bei ihrer Arbeit, erstellten gemeinsam mit ihr die Berichte und wiesen sie daraufhin, was für Außenstehende nicht so selbstverständlich ist wie für sie und deswegen erwähnt werden muß. Alle Abrechnungen und Berichte können jetzt per E-Mail übermittelt und korrigiert werden, wichtige Passagen sind als Schablone zweisprachig angelegt. Die Schwester wird diesen Winter einen Intensivkurs Deutsch belegen, den wir vorfinanziert haben. Bislang klappt die Verständigung noch am besten auf Englisch. Außerdem vermittelten wir Kontakte zum Direktor der Caritas und der Leiterin der Johanniter-Sozial-Station in Stolp. Wenn wir im Januar 2003 nach Köslin fahren, um Bilanz über das erste Jahr zu ziehen und Planungen für das kommende Jahr zu treffen, wird auch die Leiterin der polnischen Diakonie aus Warschau dazukommen. In Polen sind viele „Standards“ - wie eine Arbeitsplatzbeschreibung - durchaus schon an EU-Normen angepasst, auch wenn es sich noch nicht bis in die Provinz herumgesprochen hat. Da sind polnische Partner wichtig, um diesen Prozess voranzutreiben. Wir arbeiten daran, dass die Schwester auch ein Projekt übernimmt, das über die eigene Kirchengemeinde hinausgeht.
Am Haus müssen mehr Reparaturen durchgeführt werden als zunächst angenommen. Wichtig scheinen uns heile Fenster im Keller und in den Sanitärräumen zu sein, die sich auch öffnen lassen! Das Abwassersystem aus den sechziger Jahren ist recht verrottet. Zur großen Freude bekam die Station einen VW-Bully über die Deutsche-Bank- Stiftung und die Stiftung von der Firma Schuh-Deichmann stiftete das Geld für eine Garage, für deren Bau auch eine gewaltige windschiefe hohle Birke mit städtischer Erlaubnis gefällt werden durfte. Es ist eine große Hilfe für die alten Frauen, die nicht mehr in öffentliche Verkehrsmittel steigen können, wenn sie zu Veranstaltungen abgeholt werden können, aber auch, wenn eine kleine Rasselbande in ein Ferienlager gebracht werden kann, das sonst nur mit mehrmaligem Umsteigen zu erreichen wäre, ganz abgesehen von den Besuchen bei kränkelnden und alten Gemeindegliedern. Wenn die Filialen wie Schivelbein oder Neustettin 60 km von Köslin entfernt sind und die Frauen einen Anmarschweg von 30 km haben, dann kommen pro Fahrt leicht mal 90 km zusammen.

Seit über zwanzig Jahren verbrachte ich alle großen Ferien in Hinterpommern bei den letzten Evangelischen deutscher Zunge in der doppelten Diaspora. Obwohl es anstrengend war und mein Arbeitstag dort immer länger war als die Gewerkschaft erlaubt hätte, habe ich mich trotzdem für das neue Schuljahr erholt, weil ich fühlte, dass ich dort gebraucht werde. Aber nun findet meine Tochter, dass ich noch ein bisschen von der Welt sehen sollte, bevor auch meine Kreise kleiner werden. Deswegen gehen wir beide den ganzen November über auf Fernreise, doch mein Mann wird zu Hause „Stallwache“ halten. Ab Dezember beantworte ich dann wieder Post und stelle Spendenbestätigungen aus.
Ihnen allen wünsche ich eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit! Mögen die Lasten des Alters nicht zu drückend bei Ihnen werden. Lassen Sie mich mit einem Gedicht von Tante Rita schließen:
WeihnachtenMit Helfergruß – auch im Namen der Vorstandsdamen – Ihre Ihnen in Dankbarkeit verbundene
Rita Scheller